Kulturpool Gusental – vom Becken zur Bühne
4210 Gallneukirchen, Österreich · 6.689 Einwohner:innenVom Becken zur Bühne
Das Gebäude steht mitten im Ort, groß und kantig, ein vertrauter Klotz aus Beton. Jahrzehntelang roch es hier nach Chlor, Kinderstimmen hallten über die Fliesen. Heute hängen Lichttraversen unter der Decke, wo früher Wasserdampf aufstieg. Und im ehemaligen Schwimmbecken steht eine Bühne. Gallneukirchen im oberösterreichischen Gusental ist eine gewachsene Kleinstadt – kein Ort, der Gebäude einfach ersetzt. Und: Vieles ist geblieben. Knallorange Handtuchhalter blitzen an den Wänden, am Eingang erinnern alte Schließmechaniken an die Badezeiten. Fliesen, Linien, Proportionen – sie erzählen weiter. Das Hallenbad wurde nicht überformt, sondern weitergedacht.
Leerstand wird Idee
2013 wurde es geschlossen, eine Sanierung war zu teuer – und abreißen ließ es sich nicht, weil darüber die Turnhalle der Schule liegt. Jahrelang stand der Bau leer, ein Erinnerungsort ohne Zukunft. Bis die Idee entstand, ihn gemeinsam neu zu nutzen. Der Weg begann mit Workshops. Bürger:innen standen im leeren Becken, diskutierten zwischen gefliesten Betonwänden und entwickelten Visionen: Welche Räume fehlen? Was braucht der Ort? „Uns war wichtig, dass der Ort nicht für die Menschen geplant wird, sondern mit ihnen“, sagt Vinzenz Landl vom Kulturpool Gusental.
Viele machen den Ort
Aus den Gesprächen entstand ein offener Kulturraum – getragen von einem Netzwerk aus rund 70 Mitgliedern: Vereine, Initiativen, Traditionsgruppen, Einzelpersonen. Die Gemeinde übernahm die Basis, vieles Weitere entstand in ehrenamtlicher Arbeit mit LEADER-Förderung. Menschen bauten Bühnen, montierten Licht, verlegten Kabel. Viele Details wurden bewusst gestaltet – und vieles bewusst erhalten. Gerade diese Mischung macht den Ort unverwechselbar. Wer heute hereinkommt, erlebt oft beides zugleich: Erinnerung und Aufbruch. Viele waren seit Jahren nicht mehr hier, haben hier schwimmen gelernt oder ihren Kindern das Schwimmen beigebracht. Jetzt stehen sie wieder im selben Raum – und staunen, was daraus geworden ist.
Kultur geht hinaus
Der Kulturpool wirkt weit über seine Mauern hinaus. Im Schulprojekt „Die große Pause“ entwickelten Schüler:innen Performances und trugen sie in den Ort: auf den Marktplatz, in den öffentlichen Raum, in ein Wartehäuschen, das zum „Dream Room“ wurde.
Vielfalt trägt das Programm
Heute entstehen hier rund 70 Veranstaltungen pro Jahr: Jazzkonzerte, Filmabende, Proben, Workshops. Blasmusik trifft auf experimentelle Komponist:innen, Jugendkultur auf Traditionsvereine. Generationen begegnen sich beim Bühnenaufbau und im Publikum. So ist aus einem stillgelegten Schwimmbad ein Resonanzraum geworden: ein Ort, an dem Vergangenheit sichtbar bleibt und Neues entsteht – getragen von vielen, die ihn gemeinsam gestalten.

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