Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra
98660 Themar, Deutschland · 2.739 Einwohner:innenEin Ort für Gemeinschaft aus der Mitte der Gesellschaft
Kloster Veßra in Südthüringen: eine kleine Gemeinde mit funktionierender Infrastruktur – und einer angespannten politischen Lage. Als ein bekannter Rechtsextremist im Ort eine Gaststätte kaufte und Veranstaltungen organisierte, war für viele klar: Wegschauen ist keine Option. 2015 gründete sich das Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit. „Wir wollten nicht einfach zusehen“, sagt Sara Langert.
Ein Ort, der etwas verändert
Zunächst organisierte das Bündnis Proteste. Doch schnell wurde klar: Reiner Widerstand reicht nicht. Mit einer leer stehenden ehemaligen Orthopädie im Nachbarort Themar fand das Bündnis schließlich einen eigenen Ort. Von außen unscheinbar, davor eine Grünfläche, die im Sommer für Veranstaltungen genutzt wird. Drinnen ein großer Raum, lange Tische, eine Spielecke, Infomaterialien und Spenden für die Tafel. Hier wird gearbeitet, gekocht und geplant. Und vor allem: Hier kommen Menschen zusammen.
Vom Dagegen zum Dafür
Mit dem Haus änderte sich die Perspektive. „Wir wollten gestalten, nicht nur reagieren“, sagt Langert. Heute organisiert das Bündnis ein breites Programm: Lesungen, Kinoabende mit Popcorn, Poetry Slams und Konzerte. Gleichzeitig gibt es Angebote für den Alltag: ein monatliches Seniorenfrühstück, Begegnungscafés, Sprachkurse und Beratungsangebote. Ein zentraler Treffpunkt sind die Begegnungscafés. Hier kommen Einheimische und Zugezogene zusammen – niedrigschwellig und ohne Anmeldung.
Hilfe, die ankommt
Auch praktische Unterstützung gehört dazu. In den Räumen gibt es eine Ausgabestelle der Tafel. Für viele Menschen wäre der Weg in die Kreisstadt sonst zu weit. So erreicht das Bündnis auch diejenigen, die sich nicht unbedingt politisch engagieren. Ein Beispiel für die Wirkung ist die Wunschweihnachtsaktion: Kinder aus Familien mit geringem Einkommen schreiben ihre Wünsche auf, andere erfüllen sie. Im vergangenen Jahr kamen rund 180 Geschenke zusammen.
Engagement, das weiterträgt
Rund 36 Ehrenamtliche tragen das Bündnis, viele weitere helfen projektbezogen mit. Aus einzelnen Ideen entstehen neue Projekte – etwa ein Jugendfestival, das inzwischen eigenständig organisiert wird. Und das Bündnis wirkt längst über den Ort hinaus. Andere Initiativen lassen sich beraten, neue Netzwerke entstehen.
Die Mitte macht den Unterschied
Das Bündnis versteht sich nicht als Gegenpol, sondern als Teil der gesellschaftlichen Mitte. Hier engagieren sich Menschen aus der Nachbarschaft – nicht gegen etwas, sondern für ein demokratisches Miteinander. „Demokratie ist kein Lieferservice“, sagt Langert. „Man muss sie selbst gestalten.“

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